Ein Baum ist mehr als ein Baum

(24.08.2022)


Es kommt allzu oft vor, dass Bäume oder ganze Alleen aufgrund vermeintlicher Haftungsrisiken entfernt werden. Um Schaden für Mensch, Tier und Umwelt zu vermeiden, empfiehlt sich daher, vor Fällungen eine fachkundige Prüfung durchzuführen und nach notwendigen Schlägerungen eine Wiederaufforstung ins Auge zu fassen.

Hier einige Fragen zur Unterstützung: 
• Welche Funktion haben Bäume grundsätzlich?
• Welche Pflegetipps führen zu einem langen Baumleben?
• Wie optimiert man den Umgang mit Bäumen?
• Welche Funktion hat der Baum, der gefällt werden soll?
• Warum ist es wichtig, Bäume zu erhalten?
• Warum ist es wichtig, gerade diesen Baum zu erhalten, der gefällt werden soll?
• Welche Möglichkeiten gibt es, um mit möglichst geringem Aufwand einen gesunden, schönen und sicheren Baumbestand im Sinne des Klima- und Menschenschutzes zu bewahren? 
• Welche Bäume empfehlen sich für welche Situationen und was ist bei der Pflanzung zu beachten? 
• Wie kann man das Haftungsrisiko möglichst geringhalten?
• Warum empfiehlt es sich, geschlägerte Bäume aufzuforsten?

Diese Fragen sind insofern von Bedeutung, denn Bäume sind Lebewesen, die unsere Landschaft dominieren und zentrale Bausteine des Ökosystems darstellen. Unser globales Ökosystem wäre ohne die Leistungen der Bäume unvorstellbar. Geschätzt gibt es drei Billionen Bäume weltweit - unterteilt in 60.000 verschiedene Arten.

Hier gute Gründe, warum alle - und damit verbunden Städte und Gemeinden - Bäume brauchen
1. Der Baum ist ein Sauerstoffproduzent: Schon ein Baum mit nur 20 Meter Höhe produziert 10.000 Liter Sauerstoff pro Tag. Diese Menge dient fünf bis zehn Menschen zum Atmen.
2. Bäume binden Kohlenstoffe und dämmen damit den Klimawandel ein. Dies geschieht über die Photosynthese, bei der das Kohlendioxid aus der Luft gefiltert und in Sauerstoff umgewandelt wird. Dabei entsteht auch Holz.
3. Bäume sind auch Staub- und Partikelfilter, indem sie über ihre Blätter oder Nadeln bis zu 100 kg Staub pro Jahr aus der Luft aussondern und bei Regen durch Abfluss über den Stamm dauerhaft in den Boden abgeben. 
4. Baum bedeutet Lebensraum: Er spendet Schatten und dient den rund 6.700 Tierarten, die auf Bäume angewiesen sind, als Futterquelle, Nistplatz und Schutzraum.
5. Bäume bieten eine reichhaltige Nahrungsquelle für Mensch und Tier. Blätter, Nadeln und Knospen sind gerade im Frühling eine lebenswichtige Grundlage für Wildtiere. Die Blütenpracht bietet Nahrung für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Doch auch später im Jahr sind Bäume attraktiv. Sie produzieren eine Fülle an Früchten, Nüssen, Beeren und Samen, dank derer die Tiere wohlbehalten über den Winter kommen und wir in dieser Zeit vitaminreich versorgt sind.
6. Natürlicher Sonnenschutz Baum: Ein Sonnenschirm kann einen Baum niemals ersetzen! Ein gut positionierter Baum kann bis zu 25 Prozent der Energie zum Heizen und Kühlen reduzieren. Ein einziger Baum verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag und erbringt die Kühlleistung von 10 bis 15 Klimaanlagen. Das bedeutet, dass an heißen Sommertagen im Schatten der grünen Riesen die gefühlte Temperatur circa 10 bis 15 Grad niedriger liegt. Auch senkt er die Windgeschwindigkeit um 85 Prozent.
7. Ab einem halben Hektar in Gemeinschaft werden Bäume als Wald bezeichnet. Dieser ist ein beliebter Erholungsort und stärkt das Immunsystem, denn der Wald schüttet Stoffe namens Phytozyden aus, um sich gegen Erreger zu wehren, wovon unser Immunsystem bei einem Waldspaziergang profitiert! Damit erfüllt Baum zusätzlich auch einen gesundheitsförderlichen Aspekt.
8. Bei nachhaltiger Bewirtschaftung ist der Wald eine nie endende Quelle an Brenn- und Baumaterial, Nahrungs- und Lebensraum, Klimaregulator und Erholungsort.
Im Vergleich zu Stahl, Beton oder Ziegel ist Holz tragfähiger und das bei geringerem Gewicht. Mit Holz errichtete Häuser sparen auch bis zu 80 Prozent an Heizkosten ein. Gleichzeitig bleibt bei Möbeln und Häusern das im Holz gespeicherte CO2 gebunden. Durch eine langlebige Nutzung des Holzes können wir der Atmosphäre nach und nach CO2 entziehen.
9. Verzögerung des Regenwasserabflusses: Baumstandorte, die unter Einhaltung aller straßenbautechnischer Anforderungen durchgeführt werden, fördern wasserwirtschaftlich sowohl das Retentionsvermögen des Standortes als auch dessen Filterkapazitäten, da beide Eigenschaften innerhalb kürzester Zeit durch eine intensive Durchwurzelung verbessert werden. Sowohl der Durchlässigkeitsbeiwert ehemals kompakter Böden wird erhöht, wie auch die Qualität der Niederschlagsabflüsse von Verkehrsflächen aufgewertet, da die Wurzeln Teile der darin enthaltenen Nährstoffe und Schwermetalle aufnehmen.

Diese Gründe machen deutlich, dass Bäume einen Sachwert in einer Gemeinde haben, da sie klimarelevante, gesundheitsförderliche und Schutzleistungen bewirken. 

„Ein Baum ist mehr als ein Baum“, wie Frederic Vester 1985 meint, dies muss lokalen Visionär*innen bewusster werden und es empfiehlt sich, bereits erwähnte Fragen, ernster als bisher schon zu ergründen und vielleicht Baumexpert*innen zu Rate zu ziehen mit deren Hilfe ein nachhaltiges Baummanagement in Gemeinden ausgearbeitet werden kann. 

Unterstützen kann dabei auch ein digitaler Baumkataster.